Iranische Spielperspektiven: „Befreie den Atomwissenschaftler“

Inspired by:Rescue the Nuke Scientist“ von Zach Whalen vom 17. Juli 2007 auf gameology.org

Das Spiel „Rescue Nuke Scientistwurde von Studenten der Students’ Islamic Association entwickelt. Die Spielhandlung wird auf thepeninsulaqatar.com beschrieben:

Das Spiel dreht sich um den 30 Jährigen iranischen Ingenieur Saeed Kusha, der mit seiner Frau von amerikanischen Besatzungstruppen bei einer Pilgerfahrt ins Irakische Kerbala entführt wird. Der Spieler übernimmt in 8 Leveln die Rolle von “Commander Bahman” als Anführer einer Spezialeinheit, die den Ingenieur befreien soll. Bahman war ein Freund von Kusha’s Vater, der im Iran-Iraq starb.

Dass nun auch auch mal die Amerikaner als „Bad Guys“ in dem iranischen Computerspiel herhalten müssen, überrascht keineswegs. In westlichen Spielen stammen die „Bösen“ seit Jahrzenten nahezu immer aus dem Irak, Iran und anderen Ländern des Nahen Ostens, ohne das sich man sich hier darüber aufregen würde. Weshalb sollte dem Westen die Deutungshoheit vorbehalten sein? War es nicht nur eine Frage der Zeit bis die Darstellung der Konfliktparteien von ein nicht mal umdreht wurde? Zumal die US-Spielentwickler von Kuma Reality Games nach einem Bericht von redbluenation.net die das Spiel „Assault On Iran“ veröffentlichten, indem der Spieler eine iranische Nuklearanlage zerstören muss. Laut einem Bericht der Nachrichtenagentur „Fars News Agency“ wird „Rescue Nuke Scientist von einem Sprecher der „Students’ Islamic Association“ als Antort auf Kumas Spiel bezeichnet.

Als die Entwickler von Kuma vom Entwicklungsbeginn von „Rescue Nuke Scientist“ erfuhren, wurde ihrerseits das Spiel „Assault on Iran, Part 3: Payback in Iraq“ angekündigt. Kuma greift dabei die Story von „Rescue Nuke Scientist“ und versteht dabei das iranische Spiel als zweiten Teil 2 ihrer Geschichte, was sich auf im Titel „Part 3“ niederschlägt. In „Assault on Iran, Part 3: Payback in Iraq“, entdeckt Commander Bahman, dass die Wissenschaftler nicht wirklich von US-Soldaten entführt wurden…

Bei youtube.com gibt es einige Videos zum Spiel „Rescue Nuke Scientist:

Das Spiel erinnert mich an das von der Hisbollah entwickelten First-Person-Shooter “Spezial Force”, in dem der Kampf gegen die israelische Armee im Südlibanon thematisiert wird. Das Spiel habe ich schon in meinen Post „Die Rache des Kanonenfutters… oder auf dem Weg zur Multiperspektivität?!“ am 13. Januar 2007 erwähnt. Neben spielerischer Unterhaltung soll die Hisbollah als legitime Widerstandsorganisation im Kampf gegen die israelische Okkupation dargestellt werden. Hajj Fuad Rostom vom Internet-Büro der Hisbollah in Beirut erklärt laut 20er.at: […] „Special Force“ ist […] ein pädagogisches Spiel, um die junge Generation etwas über Befreiung zu lehren. Das ist dein Land unter einem Besatzer, Wenn du in Würde leben willst und deine Freiheit möchtest musst du kämpfen und ihn aus deinem Land schmeißen.“

Hisbollahs „Spezial Force“ bei youtube.com

Ich sehe hier einige Parallelen zu America's Army

  • aus dem "Staatshaushalt" finaziert
  • „kostengünstiges Rekrutierungs-Werkzeug“

Soweit ich es beurteilen kann gibt es aber keinen E-Learning-Teil wie in America's Army.

aaol.jpg

Der Spieler kann zusätzliche Trainingseinheiten absolvieren, um besondere Rollen (z. B. Scharfschütze) einnehmen zu können. Um sich beispielsweise als Sanitäter zu qualifizieren, muss der Spieler beispielsweise einen Vortrag über lebensrettende Sofortmaßnahmen anhören und anschließend einen Multiple-Choice-Test zum Thema beantworten. [vgl. Wikipedia-Artikel über America's Army]

Natürlich kursieren auch schon lange Spickzettel in diversen Foren.

Beispiel:

Ausbildungsvortrag 1:
1a, 2a, 3a, 4c, 5c, 6b, 7a, 8b, 9d, 10b, 11a, 12e, 13a, 14c, 15c, 16a,
17a, 18d damit erreicht ihr 100% der Prüfung.

Ausbildungsvortrag 2:
1b, 2b, 3a, 4b, 5c, 6d, 7a, 8c damit erreicht ihr 100% der Prüfung.

Ausbildungsvortrag 3:
1b, 2d, 3b, 4c, 5b, 6b, 7b damit erreicht ihr 100% der Prüfung.

America's army medic field training bei youtube.com

Laut einem Bericht der Nachrichtenagentur Reuters sei 2006, das unter westlichen Jugendlichen äußerst populäre, Battlefield 2 von Al Qaida gehackt (modifiziert) worden, um junge Muslime als Nachwuchs zu rekrutieren. Diese Mitteilung zog ihre Kreise von US-Verteidigungsministerium bis in den US-Kongress. Stellte sich letztendlich aber als Satire heraus.

Dazu der Post " Der AlQaeda Hacker Skandal"auf bootsektorblog.de vom 7. Mai 2006:

[...] Das angebliche Game-Mod sei in Wirklichkeit ein kommerziell vertriebenes Expansion Pack von Battlefield 2 unter dem Namen 'Special Forces', die Videos stammten von einem jungen us-amerikanischen Battlefield-Spieler, der selbst mitgeschnittene Sequenzen aus dem Spiel mit Stimmen aus dem Spielfilm Team America World Police (aus dem Studio der South Park Macher) unterlegte [...]

Unter der URL der damaligen Reuters-Meldung erscheint nur noch "We're sorry... this story is not currently available"

mehr zum Thema:

2 Antworten zu Iranische Spielperspektiven: „Befreie den Atomwissenschaftler“

  1. Ich habe dem Artikel zwei neue Links am 24. August 2007hinzugefügt

    # „Irans Kinder sollen auf Israelis ballern“ vom 16 Juli 2007auf spiegel.de
    # „Krieg gegen Israel und Amerika als Budget-Version“ vom 17. Juli 2007 auf areagames.de

  2. […] Nachrichten und Spielinhalten habe ich anhand des Spiels Kuma War im Rahmen des Artkels “Iranische Spielperspektiven: “Befreie den Atomwissenschaftler”” vom 21. Juli 2007 vorgestellt. Die Missionen von Kuma War beziehen sich auf reale […]

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