Auf dem educamp 2008 in Ilmenau gab es eine sehr interessante Session zum Thema: “serious games” und “game-based-learning” unter der Leitung von Sebastian Deterding. Deterding ist PhD Researcher an der Universiteit Utrecht, http://gate.gameresearch.nl. Aufgrund des Diskussionsbedarfes der Teilnehmer hat Sessionhost Sebastian Deterding am zweiten Tag des Educamps eine weitere Diskussionsrunde zum Thema angeboten. Dennoch hat auch die dafür anvisierte knappe Stunde nicht ausgereicht um den Diskussionsbedarf zu decken… und es wurde von Prof. Dr. Jantke vorgeschlagen die Diskussion in der Xing-Gruppe “Digital Games Science” unter https://www.xing.com/net/digitalgamesscience online weiterzuführen.
Außerdem hat mir Sebastian Deterding den kurz die AG-Games vorgestellt, was ich an dieser Stelle weitergeben möchte:
Als interdisziplinärer Zusammenschluss von Forscherinnen und Forschern hat die AG Games es sich zum Ziel gesetzt, durch die Vernetzung den wissenschaftlichen Diskurs über digitale Spiele als game studies zu bündeln, zu systematisieren und theoretisch wie empirisch voranzubringen.
Die AG Games will dazu beitragen, den wissenschaftlichen Kenntnisstand zu konsolidieren und auszuweiten, aber auch die öffentlichen Diskurse zu versachlichen und auszudifferenzieren. Zu diesem Zweck widmet sich die AG Games folgenden Aktivitäten:
Herausgabe von Publikationen
Betreuung einer Mailing-Liste und einer offenen Webplattform (www.ag-games.de)
Durchführung halbjährlicher Workshops oder Fachtagungen
Beteiligung am öffentlichen Diskurs über Computerspiele
Initiierung und Realisierung von Forschungsprojekten.
Mehr Infos zum educamp 2008 gibt es unter: http://educamp2008.mixxt.de
Tweets zum Educamp 2008 gibt es z.B. unter: http://hashtags.org/tag/ec08 (Alle Twitternachrichten, die mit #ec08 getaggt wurden)
nach dreimonatiger Blogpause werde ich heute eine Beitragreihe zum Thema “Kompetenzentwicklung durch Computerspiele(n)?” starten. Im Wintersemester 2007/2008 habe ich an dem Geschichtsdidaktik-Vertiefungsseminar “Workshop Kompetenzorientierung” unter der Leitung von Herrn Prof. Dr. Körber teilgenommenAus dem Veranstaltungskommentar:
[...] In Fortsetzung des Workshops aus dem letzten Semester sollen Fragen und Probleme aktueller Ansätze der Kompetenzorientierung des Geschichtsunterrichts besprochen und eigene Lösungsansätze zur Umsetzung insbes. auf der Basis des Kompetenzmodells “Historisches Denken” (Schreiber/Körber u.a. 2006) erarbeitet und diskutiert werden.
Arbeitsform: Lektüre und Diskussion aktueller Beiträge zur Kompetenzdebatte; Erarbeitung und Präsentation eigener kompetenzorientierter Unterrichtseinheiten.
Scheinerwerbsmöglichkeit nur möglich für Vertiefungsseminar. Kenntnis des Kompetenzmodells und der Grundlinien der Diskussion wird vorausgesetzt.
In diesem Semester besuche ich das Seminar “Games, Play and Education” von Wey-Han Tan (Diplompädagoge an der Universität Hamburg). Wey-Han Tan beschäfitigt sich bereis seit langem mit pädagischen Potential von Computerspiel (siehe dazu auch meinen Post von 27. Okotber 2007: “Challenge Everything - Das Computerspiel als (Bildungs)Medium?”)
Aus dem Veranstaltungskommentar:
Können Spiele mit Lern- oder Bildungsziel die blinden Flecken einer stratifizierten Informationsgesellschaft ausgleichen, die zunehmend nach lebenslangen, selbstständigen Lernern verlangt? Ein Spieler spielt üblicherweise intrinsisch motiviert und angstfrei, während er neues Wissen auf eine problemorientierte, hochkontextualisierte Weise erfährt und anwendet, in einer kontrollierten, künstlich geschaffenen Umgebung - und hat nicht zuletzt sogar Spaß dabei.
Wenn das faktische, praktische oder reflektive Spielwissen in einen realweltlichen Zusammenhang für den Spieler überführt werden könnte, dann hätten wir eine ideale Bildungs- bzw. Lernsituation (oder ein blutiges Massaker).
Die beeindruckende Grafik und Physiksimulation moderner Computerspiele führt aber zu einem gängigen Fehlschluß: Wir spielen Spiele nicht, weil sie so realistisch sind - sondern weil sie es eben nicht sind.
Spiele sind auf verschiedenen Ebenen wirkungsvolle Lernumgebungen, die aber ebenso voller Widersprüche stecken.
Dazu werde ich auch an der Ringvorlesung an der “Games and Beyond” teilnehme. Die Ringvorlesung findet immer Dienstags an der HAW Hamburg statt. Mehr dazu gibt´s im Web unter: http://www.gamecitylab.haw-hamburg.de. Wie ich erfahren habe, werdem dort auch Serious Games und E-Learning thematisert.
Im Rahmen meiner Beitragsareihe werde ich versuchen das Strukturmodell von Körber und Schreiber auf Serious Games zu beziehen. Dazu werde ich natürlich einige Publikationen, die im Rahmen des Projektes “FUER Geschichtsbewusstsein” entstanden sind nutzen. Mehr Infos zum Projekt gibt es unter: http://www.fuer-geschichtsbewusstsein.de
Körber, Andreas/Schreiber, Waltraud (Hgg.):
Kompetenzen historischen Denkens. Ein Strukturmodell und Beiträge zur Entwicklung von Bildungsstandards. Neuried 2006 (im Druck).
Witschi, Beat (Hg.): Geschichte spielen. Simulationsspiele im Geschichtsunterricht. Neuried 2006. Mit CD-ROM.
Giancarlos Alvarado schreibt in dem Artikel “Making Video Games … With Fifth Graders” vom 12. Juni 2007 auf gamecareerguide.com über sein Projekt, in dem er mit Schülern der fünften Klasse ein Computerspiel gestaltete. Seinen Ursprung hatte das Projekt 2003 in einem “after school program” als Alvarado Schüler nachmittags kreativ beschäfigen wollte. Dabei kam ihm der Gedanke einen “video game club” in der Schule einzurichten. Dort sollten Schüler die Möglichkeit erhalten ein Jahr lang an einem eigenem Computerspiel zu arbeiten. Nachdem Alvarado sein Studium abgeschlossen hat, arbeitet er nun als Lehrer und setzt nun Computerspieldesign gezielt im fächerübergreifenden Unterricht ein. Unter anderem verwendet dafür er die Fächer Sozialwissenschaften und Erdkunde. Mit den Unterrichtsprojekt möchte er unter anderem die Lese- und Schreibkompetenzen, Analytisches Denken, Problemlösekompetenz und Teamfähigkeit seiner Schüler fördern. Die Schüler benutzen die Software RPG Maker XP. Mit ihrem Spiel “Earthquake Terror: After Shock” hat sich seine Klasse für die Independent Games Festival Student Competition 2008 beworben. Das Independent Games Festival findet seit 1999 jährlich im Rahmen der Game Developers Conference in San Francisco statt. Es zeichnet innovative Spiele aus, die von unabhängigen Spieleentwicklern oder Schülern und Studenten entwickelt wurden.Aus dem Wikipedia-Artikel über RPG Maker:
Der RPG-Maker XP (wird auch bezeichnet als RMXP) ist die momentan aktuelle Version des PC RPG Makers von Enterbrain. [...] Der RPG Maker ist ein Programm, das der Erstellung von Computer-Rollenspielen dient. Die meisten Versionen beinhalten einen auf Tilesets (vor RPG Maker XP Chipsets genannt) basierenden Map Editor, eine vereinfachte Skriptsprache zum skripten von Ereignissen und einen Kampfeditor. Alle Versionen beinhalten vorgefertigte Tilesets, Charaktergrafiken sowie die Möglichkeit eigene Grafiken hinzuzufügen.
In dem Artikel “Vespasian, Civ IV, and Intro to Roman Culture” vom 12. Mai 2007 auf planetcivilization.gamespy.com beschreibt Graham die Probleme bei seinem Einsatz von Civilization im universitären Geschichtsunterricht. Er hatte vor, den Studenten die Möglichkeit zu bieten, anstatt einen Essays zum Semesterende zu schreiben, ein Szenario in Civilization zu spielen. Kaum einer der Studenten endschied für diese neuartige Prüfungsvariante. Graham vermutet, dass seine Studenten zwar wissen wie man einen guten Essay schreibt, doch keiner von Ihnen sich vorstellen konnte, wie eine Prüfung in einem Computerspiel absolvieren oder wie man eine “gute” Note erhalten könne.
An der New Yorker Parsons Design School wird eine Forschungseinrichtung für Serious Games eröffnet. Die Direktorin Colleen Macklin hofft das Serious-Games-Genre so weiterzuverbreiten “Our goal is really to create intersections between game design, social issues and learning“. Als Partner konnte neben Microsoft und think.MTV.com auch Games for Change gewonnen werden. Die Studenten sollen so die Möglichkeit erhalten, Spiele wie “Ayiti: The Cost of Life” zu produzieren oder auch die Themen von Filme wie “Fast Food Nation” oder “Eine unbequeme Wahrheit” als Serious Game umzusetzen.
via “Noah Falstein …” vom 6. August 2007 auf thefutureoflearning.wordpress.com
Im Herbst 2009 soll in New York die erste “Games-School” eröffenet werden. An der öffentlichen Schule sollen von der 6. bis zur 12. Klasse “game design” und “game-inspired methods” gezielt angewendendet werden um den Schülern Fähigkeiten für das 21. Jahrhundert zu vermitteln.
Second Life, Mission Maker, und Thinking Worlds bekommen Konkurrenz: Mit dem Slogan “The ning of of virtual worlds” wird für VastPark geworben. User erhalten mit VastPark die Möglichkeit eigene Virtuelle Welten zu erstellen und miteinander zu teilen. Das dafür notwendige Creator tool soll kostenlos heruntergeladen werden könnnen.
Derzeit befindet sich die Plattform noch in einem geschlossenem BETA-Test. Allerdings soll noch vor Weihnachten das Creater tool in einem offenen BETA-Test zur Verfügung stehen.
Neben den Social-Network-Plattform Engage.com, Friendster, hi5, Hyves, imeem, LinkedIn, MySpace, Ning, Oracle, orkut, Plaxo, Salesforce.com, Six Apart, Tianji, Viadeo, und XING will sich auch VastPark an Googles und Open Social Initiative beteiligen. Profildaten, Beziehungen zu anderen Anwendern sowie Aktivitäten der Nutzer sollen so zwischen den unterschiedlichen Plattformen ausgetauscht werden können.
So besteht auch für Bildungsinstutionen wie Universitäten und Schulen die Möglichkeit eigene Virtuelle Welten gestalten können und dabei Inhalte und Daten anderer Social-Networks zurückgreifen können.
Das Ziel ist ein 3D-Internet, das auf gemeinsamen Standards aufbaut. Obwohl es bis dahin noch zahlreiche Fragen zu lösen gibt, ist eine Grundvoraussetzung eines solchen 3D-Internet doch glasklar: Die Nutzer müssen sich frei von einer Welt zur nächsten bewegen können, ähnlich wie man dies heute zwischen Websites tut. [...] Wer sich beispielsweise in der virtuellen Version der MTV-Sendung “Pimp My Ride” ein eigenes Fahrzeug gebaut hat, sollte es auch in der Linden Lab-Welt “Second Life” vorführen können. Damit das funktioniert, muss der darunter liegende Code in beiden Welten arbeiten.
Game-bases-learning mal andersrum, Das Spiel “The Restaurant Game” lernt von den Spielern. Das Spiel wurde im Rahmen eines Forschungsprojektes am MIT Media Lab mit Hilfe der Torque-Engine entwickelt. Jeder Spieler liefert liefert durch sein Verhalten wichtige Daten für die Forscher. Anhand dieser Daten soll ein neues Spiel produziert werden, dessen KI menschliches Sozialverhalten überzeugender darstellen soll.
Das Spiel kann auf der Website des Projektes kostenlos heruntergeladenwerden (30 MB). Das Spiel dauert ca. 10 Minuten und wird zu zweit gespielt. Man erhält automatisch einen Mitspieler, kann aber zunächst alleine üben. Bisher wurde das Spiel 7171 mal gespiel.
Im Rahmen des Forschungsprojektes ist auch eine Masterarbeit entstanden:
Das Abkommen mit dem Entwicklerstudio Crytek umfasst neben der Engine allerdings auch Vorträge über Animationen, Engine Technologie, Spielkonzepte und -design. Die Reden sollen von den Crysis-Entwickler gehalten werden. Dadurch arbeiten die Studenten mit einer State-of-the-Art-Engine und können ihre Ideen mithilfe des Development-Packs umsetzen.
[...]Initiatoren der Kooperation sind an der Hochschule Darmstadt Prof. Tilmann Kohlhaase (Fachgebiet Animation and Game Production) und der Lehrbeauftragte Will Weber. Kohlhaase: „Die Idee der Zusammenarbeit mit Crytek ist, den Studierenden nicht nur eines der leistungsfähigsten aktuellen Game-Entwicklerwerkzeuge an die Hand zu geben, sondern sie gleichzeitig zu unterstützen, Konzepte für innovative Spielideen zu entwickeln und umzusetzen.“ [...]
SeriousPolicy wurde im Oktober 2007 innerhalb von 2 Wochen von PlayGen Ltd, einem serious games development studio aus London entwickelt.
Das Spiel soll sowohl demonstrieren wie politische Prozesse und Entscheidungsfindungen durch eine virtuelle Welt interessant vermittelt werden können als auch den Spielern verdeutlichen, wie wichtig öffentiche Beteiligung am Entscheidungsfindungsprozess ist.
Im Rahmen der Spielhandlung Spiel treffen dann Tony Blair, Gordon Brown and Paris Hilton, Keira Knightley aufeinander…
Kommentar der Entwickler dazu: “But this isn’t satire. It’s designed as an example of how computer games can be put to serious use - for both citizen engagement and education.“
Das Spiel kann kostenlos heruntergeladen werden Die Systemanforderungen sind moderat und dementsprechend läuft das Spiel auch auf etwas älteren Computern.
Auf der Website von PlayGen Ltd bin ich auf auf das TV-Format Time Commanders , welches von 2003 bis 2005 auf BBC Two lief. Time Commander setzte die Kandidaten mit Hilfe einer modifizierten Engine von Rome: Total War auf diverse antike Schlachtfelder.