Gefangen im Netz?

Spiegel TV Thema “Gefangen im Netz” vom Freitag den 25. Mai 2007.
(Sendezeit: 21.55 – 00.00 Uhr, VOX)

Eigentlich war der Bericht gar nicht so schlecht. Die Redaktion meines Erachtens nur zwei krasse Schnitzer geleistet:
Zum einen wurde das Video des “Angry German kid” als Beweis für die aggressionssteigernde Wirkung von Computerspielen präsentiert. Außerdem wurde behauptet dass Kosolenspieler sind weniger suchtgefährdet sind, da es weniger Spiele mit der Darstellung von extremer Gewalt gibt.

Hätte die Redaktion das Video des “German Computer Kid” mal bei youtube.com angesehen, wäre ihnen sicherlich der erste Kommentar zum Video aufgefallen:

“The boy in the Video is called “Slikk” or “Der echte Gangster” (eng = the real gangster). He is an amateur cabaret artist that makes home made videos about major political and social topics in Germany that concern especially the German youth.”

Wer die Beschreibung des Videos bei clipfish.de liest, bekommt sogar nich ein wenig mehr Informationen:

Den echten Gangster bzw. Slikk kennen einige vielleicht schon. Ein schauspielerisch enorm talentierter 15-Jähriger. Leider oft mißverstanden, da er in seinen Videos zum Teil wirklich kraß abgeht, seine Videos sind aber Parodien. Der Vater ist ein Schauspieler / Künstler aus Berlin.

Diese und viele weitere Hinweise im Netz sollten meiner Meinung nach einen Journalisten an der Echtheit des Video zweifeln lassen.

Ein weitere Sendung beschäfigte sich mit dem Phänomen Computerspielsucht:

Johannes B. Kerner vom Mittwoch den 30. Mai 2007.
(Sendezeit: 22:45 – 23:50 Uhr, ZDF)

Computersucht gilt heute als ernstzunehmende Krankheit – Jugendliche verbringen bis zu 70 Stunden wöchentlich in virtuellen Welten. Mindestens 600.000 Kinder sind davon allein in Deutschland betroffen. Die Folge: Sie scheitern in der Schule und verlieren ihr soziales Umfeld. Psychologe Wolfgang Bergmann erklärt, woran das liegt und wie Ex-Computerkid Lennart Kemme (13) aus seiner Sucht herausgekommen ist. Auch Polizist Gerhard Vanek erlebte den Albtraum, was Online-Spielsucht für Angehörige bedeutet. Ein Junge aus seinem näheren Bekanntenkreis ist PC-abhängig geworden.

Der 13jährige, hat eine Zeit lang 6-8 Studen am Tag World of Warcraft gespielt. Daraufhin wurde er von seiner Mutter als süchtig bezeichnet, der Computer wurde weggenommen und

Dabei saß Computerkid (was für ein Begriff :-)) Lennard nach eigener Aussage sogar gemeinsam mit Freunden vorm Computer. Er hat also meines Erachtens den Kontakt zu seinem sozialen Umfeld nicht verloren, sondern pflegte diese Kontakte im “real-life” und nicht nur in einer virtuellen “Gilde”.
Schade dass es der Kerner-Redaktion nicht gelungen ist einen wirklich Süchtigen ausfindig zu machen; und das bei 600.000 Abhängigen in Deutschland. Immerhin wäre damit einer von 137 Bundesbürgern süchtig!

Wie kommt diese Zahl zustande? Und für was steht der Begriff Computersucht? Geht es dabei um Online-Sucht? Computerspielsucht? (inkl. Konsolenspiele und Handyspiele?)

Vielleicht kann ja die Lektüre des folgenden Buches die Fragen beantworten…

Wolfgang Bergmann und Gerald Hüther: Computersüchtig. Kinder im Sog der modernen Medien. 2006 (bei Amazon)

Computersüchtig

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2 Antworten zu Gefangen im Netz?

  1. Matti sagt:

    Also ich finde sollen die Kids lieber World of Warcraft oder sonstwas spielen als sich mit 15 schon ins Koma zu saufen…

  2. Nepomuk H. sagt:

    Die Videos auf Youtube von diesem Slikk (Real Nerd, Echter Gangster) sind echt klasse. Ich lache jedesmal Tränen. ;.-D

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